Minolta vs. Pentax

Nachdem es ja gute Praxis ist, die jeweils neuesten DSLR-Kameras in einem 1zu1-Test miteinander zu vergleichen, dachte ich mir, ich nehme meine alte analoge 70er-Jahre SLR und meine etwas jüngere 80er Jahre SLR und schaue mal nach, inwiefern sich die Bilder der beiden voneinander unterscheiden.
Natürlich kann ich nicht dasselbe Objektiv an beiden verwenden, aber darum geht es ja auch nicht. Ich weiß, dass sich die beiden Kameras geringfügig unterscheiden – nur eben worin genau, das soll hierbei herauskommen.

Kamera 1: Asahi Pentax SP 500 von 1971 mit einem Super-Takumar 55mm 1:2 Objektiv

Pentax_SP500

Anmerkung dazu: Die Kamera ist schwer, massiv, liegt aber gut in der Hand und hat als Neuheit für dieses damals „günstige“ Preissegment einen Belichtungsmesser. Es wird oft darauf hingewiesen, dass bei dieser Kamera die Verschlusszeit laut Rädchen nur bis 500 geht, man aber nach der 500 noch einen Schritt weiterdrehen kann und dort einen weiteren, nicht auf dem Rädchen markierten Stop erreicht. Dies soll laut manchen Reviews der 1000er-Stop von der teureren SP1000 sein, ob dies wirklich der Fall ist, werden wir später noch sehen.
Die Kamera ist in einwandfreiem Zustand – es war die Kamera meines Großvaters… technische Gerätschaften der Großeltern sind irgendwie immer in tadellosem Zustand…

Kamera 2: Minolta X300 von 1987 mit einem Minolta MD 50mm 1:2 Objektiv

Minolta_X300
Anmerkung dazu: Die Minolta war meine erste SLR-Kamera, ein Arbeitstier mit besten Resultaten. Von den ersten Bildern an war ich sehr begeistert vom Handling und den Farb- bzw. Kontrastwerten, die sie produziert. Die Automatik habe ich nie benutzt, da die eingebaute Belichtungsmessung im manuellen Modus sehr zuverlässig operiert und man so gezielt über- und unterbelichten kann, wenn gewollt. Die Kamera war auf Reisen dabei, eine Zeitlang immer in der Tasche auf Wegen durch die Stadt und ist auch heute noch die Kamera meiner Wahl, wenn es um leichtes Gewicht und unkomplizierte Bilder geht.

————-

So, na dann. Links die Bilder der Pentax, rechts die Minolta, unter dem Bild jeweils Blende und Verschlusszeit, ISO ist immer 200. (Ich habe die Bilder nicht einzeln eingescannt, sondern immer die beiden Vergleichsbilder zusammen gescannt. TIFF, 360 dpi, 24 Bit Farbtiefe, keine Filter. Dann in Photoshop das Bild auf 1600px Breite verkleinert und als png exportiert. Keine Farbeffekte) Auf das Bild klicken, dann wird’s groß dargestellt.

————-

M_P_1_4_125

Blende: 4 / Verschlusszeit: 125
Abgesehen vom kleineren Bildausschnitt des 55er Objektivs (der sich natürlich in allen Fotos mehr oder minder bemerkbar macht), kann man nur ein bisschen mehr von der pinkfarbenen Linie entlang der Riffelung auf dem Filterring erkennen. Ansonsten relativ gleich.

M_P_3_4-8_250

Blende: 4,8 / Verschlusszeit: 250
Ist „dunkel“ auch wirklich „dunkel“? Die Minolta scheint etwas stärkere Kontrastgrenzen zu ziehen, bei der Pentax sind um die helleren Gebiete noch mehr Konturen zu erkennen. Die unterschiedlichen Lichttemperaturen zwischen Halogen und Leuchtstoffröhre kommen bei beiden gut rüber.

M_P_4_4-8_500

Blende: 4,8 / Verschlusszeit: 500
Der erste Schritt nach draußen; bei der Pentax kann man links oben drei helle bläuliche Linien Sonnenlichteinfall bemerken, bei der Minolta nur einen einzelnen sehr schwachen – ein Vorteil des Objektivs, das bereits eine Art Streulichtfilter hat, weil das äußerste Glas sehr weit zurückgesetzt ist.

M_P_5_8_250

Blende: 8 / Verschlusszeit: 250
Hier ist für mich kein wirklicher Unterschied erkennbar.

M_P_6_4_1000

Blende: 4 / Verschlusszeit: 1000
Hier wird’s interessanter: Beide zeichnen bei einer 4er-Blende den Hintergrund schön unscharf, ich glaube bei der Pentax mehr Konturen um die unscharfen Punkte zu erkennen. Das Bild sieht eher so aus, als wäre es aus Kreisen und Polygonen aufgebaut, bei der Minolta sind die Bereiche nicht so stark voneinander getrennt. Wichtig aber der Vergleich mit dem nächsten Bild:

M_P_7_11_125

Blende: 11 / Verschlusszeit: 125
Bei einer 11er-Blende dagegen scheint mir die Minolta (mehr als die Pentax) den Hintergrund aus klarer definierten Kreisen und Polygonen aufzubauen.

M_P_8_2_1000

Blende: 2 / Verschlusszeit: 1000
Der Schärfentiefebereich bei einer 2er Blende scheint mir bei der Minolta etwas größer zu sein, aber nur minimal.

M_P_9_16_125

Blende: 16 / Verschlusszeit: 125
Jetzt gehen wir mal die Legende um die „versteckte“ 1000er Verschlusszeit bei der Pentax SP500 an. Zuerst 125er Verschlusszeit bei beiden: Wie erwartet, ähnliche Resultate. Wobei mir mittlerweile die Minolta-Bilder immer einen Ticken wärmer (rot-oranger) und gesättigter vorkommen. (Hier im Dokument vielleicht schwer nachzuvollziehen, aber wenn ich die Bilder in der Bildervorschau auf Win oder Mac der Reihe nach durchklicke hat das rechte Bild immer etwas leuchtendere Farben.) Aber gerade der linke der beiden Metallpfeiler scheint das hier zu verdeutlichen. Dann auf Verschlusszeit 1000 gestellt und das hier aufgenommen:

M_P_10_5-6_1000

Blende: 5,6 / Verschlusszeit: 1000
Für mich ein sehr deutlicher Unterschied. Vielleicht hat die Pentax links da über der 500 einen 750er oder gar 800er Wert, aber nach 1000 (wie rechts die Minolta) sieht das nicht aus. Bei erneuter web-Recherche kam noch ein Blog-Artikel auf, der besagt, dass Asahi diesen Wert bei dieser Kamera einfach nicht präzise geeicht habe und daher die Verschlusszeit unbestimmt bliebe.

M_P_11_5-6_250

Blende: 5,6 / Verschlusszeit: 250
Bei diesem Bild finde ich ebenfalls an dem schwarzen Schlauch im Minolta-Bild rechts etwas mehr rötliche Einfärbung als bei der Pentax links. Aber weitaus deutlicher sieht man hier den kleineren Schärfebereich der Pentax-Optik. Die Bäume im Hintergrund, ja bereits das Fahrrad sind bei der Pentax deutlich unschärfer. Auch beim nächsten Bild gut zu erkennen:

M_P_12_8_125

Blende: 8 / Verschlusszeit: 125
Zurück zu den Innenaufnahmen.

M_P_13_2_60

Blende: 2 / Verschlusszeit: 60
Hier kann ich auch nur eine farblich leicht wärmere Grundstimmung bei der Minolta sehen, gefallen würde mir aber das Pentax-Bild besser, da dort bei der 2er Blende wirklich nur der Bereich um das Schallloch scharf ist.

M_P_15_2_60

Blende: 2 / Verschlusszeit: 60
Ursprünglich wollte ich hier die schwingenden Saiten des Kontrabasses treffen, daraus wurde aber nicht viel. Trotz des leichten Grünstichs der Leuchtstoffröhren sind hier bei beiden Kameras die Farben sehr gut rausgekommen. Aber a propos Farben:

M_P_17_4-8_250

Blende: 4,8, Verschlusszeit: 250;
Das hier ist fast mein Favorit der Aufnahmereihe. Licht von hinten durch den Baum und den Lampion und dann die Kamera so gehalten, dass ich ein paar Linsenreflektionen bekomme (irgendwie mochte ich das Wort „Blendenflecke“ nie gern…). Auch hier kann ich mich nicht für oder gegen ein Bild entscheiden – die Pentax-Version hat mit seinen orange-rötlichen Tönen zum Grün einen sehr leichten, warmen, irgendwie verschwommenen („Traumlook“-) Grundton. Dagegen geben die blauen Einstreuungen und der weiße Fleck dem Minolta-Bild viel mehr Klarheit, Tiefe, fast schon Bewegtheit. In meinem subjektiven Empfinden.

M_P_Vergleich020
So. Da kann sich ja jeder seine eigenen weiteren Schlüsse ziehen. Es gäbe natürlich noch viel mehr Situationen, um noch mehr Unterschiede herauszuarbeiten (Kerzenlicht, schnelle Sportarten wie Rad- oder Autorennen etc), aber mir reicht das für’s Erste. Jetzt weiß ich, welche Kamera ich wohin mitnehme. Und wer sich an einer der beiden robusten Oldies versuchen will – es gibt sie verhältnismäßig günstig im Netz oder beim Second-Hand-Fotoladen um die Ecke ☺

Toni Bihler | videofüralle.de | August 2015

Hinterlasse eine Antwort